Welchen Tourismus wollen wir?

von Karl Stadler, Landrat, Fraktionspräsident, Präsident Grüne Glarus Süd

Klöntal, Braunwald, Elm, Oberblegisee, Mettmen: Wenn Sie diesen Frühling an einem dieser Orte waren, stellten Sie fest, dass diese landschaftlichen Perlen des Glarnerlands – je nach Sichtweise – «gut besucht» oder aber «komplett überlaufen» waren. Und Sie standen vielleicht selbst diesen Menschenmengen zwiespältig gegenüber. Einerseits war es ärgerlich, dass es mit der Ruhe und der Einsamkeit in der eindrücklichen Landschaft nichts wurde, dass auf den schmalsten Strassen die überbreiten Offroader ihre Ellbogen ausfuhren, dass hinter jedem Stein, Baum oder Hügel sich schon andere Leute ein Plätzchen eingerichtet hatten oder dass bis auf alle Grate hinauf das aggressive Heulen der Motorräder aus dem Tal die erhoffte Ruhe mit Spott bedachte.

Andererseits ist es ein breiter Konsens im Kanton, dass der Tourismus Arbeitsplätze, Verdienst und Steuereinnahmen bringen soll. Es ist anzunehmen, dass die vermehrte Werbung für das Glarnerland, das so schön macht, die Besucher auch tatsächlich dazu gebracht hat, zu uns zu kommen. Und wer nicht nur egoistisch denkt und die Gäste nur als «Auswärtige» sieht, wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, was für eine Form von Tourismus wir wollen. Nur Tourismus an sich fördern, reicht als Strategie nicht. Es ist eine alte Erkenntnis, dass der Tourismus die besuchten Regionen verändert und nur allzu oft seine eigenen Grundlagen gefährdet oder gar zerstört.

Im kantonalen Tourismusgesetz ist (natürlich) der Begriff «Nachhaltigkeit» verankert, und wir tun gut daran, uns auch tatsächlich an diesem Grundsatz zu orientieren. Wenn immer mehr Leute den Kanton besuchen, müssen wir auch vermehrt dafür sorgen, dass die Landschaft, die Fauna und Flora keinen Schaden nehmen, dass die Anreise für die Touristen und Einheimischen nicht zum Albtraum wird und dass auch effektiv Tourismusbranchen gefördert werden, die sowohl qualitativ als auch quantitativ Wertschöpfung mit sich bringen.

Aktuell warten politische Geschäfte auf eine Entscheidung, an denen sich die Problematik deutlich zeigt: erstens die Reduktion der Wildruhezonen und zweitens der zusätzliche Bau von Schneekanonen durch die öffentliche Hand. Die Grünen lehnen beides ab, weil beides schlicht nicht nachhaltig ist. Unterstützung verdienen ruhigere und auch schutzorientierte Formen des Tourismus und solche, die den längeren Aufenthalt und nicht die tägliche An- und Abreise fördern.