Mut zur Meinung: Politik lebt vom Dialog
Kolumne «Südostschweiz», 9. Januar 2025, von Andreas Streiff, Gemeinderatskandidat Glarus Nord & Vorstandsmitglied der GRÜNEN des Kantons Glarus
Wo gibt es heute noch Diskussionen, in denen tatsächlich das beste Argument zählt? In Zeitungen, in persönlichen Gesprächen oder in sozialen Medien, die zunehmend von Algorithmen, Echokammern und Fake News geprägt sind? Jürgen Habermas spricht vom «zwanglosen Zwang des besseren Arguments»: von der Idee, dass sich nicht Macht oder Lautstärke durchsetzen, sondern das überzeugendste Argument.
2026 steht im Kanton Glarus ein wichtiges Wahljahr an. Für mich persönlich bedeutet das, erstmals Wahlkampf zu führen und öffentlich sichtbar zu werden. Als Grüner Kandidat für den Gemeinderat von Glarus Nord setze ich mich für ökologische und soziale Anliegen ein. Dabei erlebe ich, wie das Einnehmen einer politischen Haltung zugleich Zustimmung und Ablehnung auslöst – eine Erfahrung, die ich seit meiner Kandidatur deutlich häufiger spüre.
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, meine Überzeugungen prägnant zu formulieren, ohne in die Falle von Schlagworten wie z.B. «Nachhaltigkeit» zu geraten, weil solche Begriffe ohne Kontext sehr unterschiedlich verstanden werden können. Deshalb ist es mir wichtig, meine Werte mit konkreten Inhalten zu füllen, den richtigen Ton zu treffen und das Wesentliche klar und verständlich auszudrücken.
Damit verbunden ist der Umgang mit begrenzten Ressourcen. Nicht jede Idee lässt sich umsetzen, nicht jedes Anliegen gleichzeitig verfolgen. Zugleich stellt sich die Frage, wie Engagement sichtbar wird, ohne aufdringlich zu wirken. Dieses Spannungsfeld gehört zum politischen Alltag – ebenso wie die Unsicherheit darüber, wie viel Einsatz notwendig ist und ob er die gewünschte Wirkung entfaltet. Umso wichtiger ist für mich ein verlässliches Team: Menschen, die mich kritisch begleiten, mir Rückmeldung geben und Orientierung bieten.
Ein Wahlkampf lebt davon, dass Menschen bereit sind, sich öffentlich zu positionieren und ihre Unterstützung sichtbar zu machen. Seit Bekanntwerden meiner Kandidatur suche ich den Austausch mit anderen Menschen aus Glarus Nord noch bewusster. Dabei erfahre ich viel Zustimmung; nicht zuletzt, weil ich mich in mir wohlgesinnten Kreisen bewege. Gleichzeitig nehme ich eine spürbare Zurückhaltung wahr, sich öffentlich zu bekennen, etwa in Form eines Testimonials. In einem kleinen Kanton, in dem «jedä jedä kännt», werden Rollenkonflikte besonders deutlich. Um Spannungen im Job, im Verein oder im persönlichen Umfeld zu vermeiden, hält man sich lieber bedeckt. Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig stabilisiert es den Status quo und überlässt die öffentliche Debatte den Lautesten. Was wäre, wenn wir Konflikte neu denken – nicht als Bedrohung, sondern als Chance für Dialog und Entwicklung?
Besonders wichtig ist es mir, auch jene anzusprechen, die bisher nie gewählt haben oder 2026 erstmals wählen dürfen. Gemeindepolitik betrifft unseren Alltag unmittelbarer, als oft angenommen wird. Gerade bei uns, wo die Gemeindeautonomie einen hohen Stellenwert hat, ist politische Beteiligung auf kommunaler Ebene wichtig für Lösungen im Sinne der Allgemeinheit und nicht im Interesse von Einzelnen.
Politische Teilhabe ist keine Selbstverständlichkeit. Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Zuhören und vom Widersprechen. Deshalb lade ich dich ein, dich mit der Gemeindepolitik auseinanderzusetzen. Wann Du mich treffen kannst, findest Du auf meiner Website. Und weil unsere Kinder, unsere ausländischen Mitmenschen oder unsere Umwelt nicht mitentscheiden können, obwohl sie genauso von Entscheidungen betroffen sind, liegt es umso mehr an uns Stimmberechtigten, unsere Privilegien bewusst zu nutzen.