Immer muss ich, niemals darf ich – Ein politisches Versprechen für unsere Kinder
Kolumne «Südostschweiz», 11. April 2026, von Agnes Leuzinger, Landratskandidatin Glarus Nord
Immer muss ich, niemals darf ich.“ Diesen Satz höre ich oft von meinem Sohn. Beim Zähneputzen, beim Aufräumen – es ist kindlicher Trotz, den ich als Mutter zunächst lächelnd zur Kenntnis nehme. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich darin eine bittere Vorahnung auf die Zukunft, die wir ihnen hinterlassen.
Denn bald werden genau diese Kinder die Generation sein, die muss, während wir Erwachsenen ihnen das Dürfen genommen haben. Sie müssen den Klimawandel bekämpfen, den wir verursacht haben, den Atommüll verwahren, den wir produziert haben, und die Folgen unseres Handelns tragen, ohne die gleichen Handlungsspielräume zu haben. Wir haben die Ressourcen verbraucht, die ihnen zugestanden hätten, und die Schulden angehäuft, die sie abtragen sollen. Das ist kein gerechter Vertrag zwischen den Generationen.
Generationengerechtigkeit ist kein abstraktes Konzept. Es geht um konkrete Fragen: Darf mein Kind in einem sauberen See schwimmen? Darf es eine bezahlbare Wohnung finden? Darf es eine stabile Demokratie erleben? Die Antwort lautet wohl: Nein, solange wir weitermachen wie bisher. Aber ja, wenn wir den Mut haben, den Kurs zu ändern.
Als Mutter und Kandidatin für den Landrat nehme ich diese Verantwortung ernst. Wir müssen jetzt entscheiden – für neue Technologien, für innovative Wege, für eine lebenswerte Umwelt. Die Lösung liegt nicht in der Nostalgie nach „früher war alles besser“. Sie liegt im Mut, heute Verantwortung zu übernehmen. Generationengerechtigkeit bedeutet, die Welt nicht als Eigentum zu verbrauchen, sondern als Leihgabe zu schützen. Jede heutige Entscheidung ist eine Verpflichtung für morgen.
Konkret setze ich mich für einen ganzheitlichen Ansatz ein, der nachhaltige Infrastruktur, erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft verbindet, damit kurzfristige Vorteile keine langfristigen Schäden verursachen. Soziale Gerechtigkeit ist dabei zentral, denn Zukunftsfähigkeit setzt gleiche Chancen für alle voraus – gestärkt durch eine Bildungspolitik, die junge Menschen zu kritischem Denken befähigt. Die Jugend muss deshalb aktiv in politische Entscheidungen einbezogen werden, da sie die Folgen heutiger Weichenstellungen trägt.
Der Weg ist nicht einfach. Es wird Widerstände geben. Aber wir dürfen nicht nachgeben. Die Alternative wäre, unsere Kinder in eine Welt zu entlassen, in der sie nur noch „müssen“ und nie wieder „dürfen“.
Ich will mich dafür einsetzen, dass unsere Kinder nicht dauerhaft sagen müssen: „Immer muss ich“, sondern eines Tages sagen können: „Ich darf – weil wir es gemeinsam geschafft haben.“
Die Worte meines Sohnes sollen nicht das Ende markieren, sondern den Anfang – den Anfang einer Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt. Die Zukunft unserer Kinder beginnt mit den Entscheidungen, die wir heute treffen. Jede Stimme zählt. Jede Entscheidung bewegt etwas. Gehen wir diesen Schritt gemeinsam – für eine gerechtere Welt und für kommende Generationen.