Kolumne «Südostschweiz», 3. Juli 2026, von Sheila Schmid, Mitglied der GRÜNEN Glarus Nord

Mit kleinen Kindern verändert sich der Blick auf die Strasse. Seit wir zu viert mit Velo und Anhänger unterwegs sind, ist der Weg ins Klöntal meist nicht nur ein schöner Ausflug, sondern auch eine kleine Mutprobe. Wer mit Kindern im Anhänger unterwegs ist, kennt das mulmige Gefühl: Hoffentlich fährt heute niemand zu schnell und zu knapp an uns vorbei.

Am vergangenen Sonntag war alles anders. Die Strasse gehörte nicht den Eiligen, sondern den Menschen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs waren. Und plötzlich fühlte sich der Weg zum See genauso an, wie ein Familienausflug sein sollte: entspannt, sicher und überraschend gemütlich.

Wir machten uns als Familie mit den Velos auf den Weg. Das jüngere Kind bequem im Anhänger, das Ältere zuerst im Kindersitz und später stolz ein paar Meter auf dem eigenen Drahtesel. Bereits auf der Büttenebene zeigte sich der Unterschied. Völlig entspannt konnte man nebeneinander fahren und hatte Zeit und Musse für einen Schwatz, statt wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander bergwärts zu schwitzen. Wenn am Strassenrand die kleinen roten Walderdbeeren lockten, hielt man einfach an und sammelte sich das Znüni gleich selber. Manchmal ist genau das der eigentliche Ausflug.

Im Klöntal selbst war die Stimmung angenehm ruhig. Natürlich war nicht niemand unterwegs. Besonders im Rhodi wurde es jeweils lebhaft, wenn das rappelvolle Postauto eine kleine Hundertschaft Erholungssuchender ausspuckte. Ein schönes Bild eigentlich: Menschen, die gemeinsam statt einzeln im Auto anreisen. Auch Zweiräder aller Art waren einige unterwegs. Von der Anzahl zwar weit entfernt von Grossanlässen wie dem Klausen Monument, doch das muss es auch gar nicht sein. Pilotprojekte sind kaum von Anfang an perfekt und beginnen selten mit Rekorden. Sie beginnen mit Erfahrungen. Und das Potenzial, um aus diesem Anlass eine fixe Grösse im Glarner Sommerkalender zu machen, ist offensichtlich.

Wer unterwegs Zeit findet, mit seinen Kindern Erdbeeren zu pflücken, weiss: Das ist ein Gewinn, den keine zusätzliche Fahrspur jemals bieten kann.
Sheila Schmid, Mitglied Grüne Glarus Nord

Aus Sicht einer begeisterten Velofahrerin gäbe es durchaus noch Luft nach oben: Ein improvisierter Velotreff mit Kaffee und Gipfeli für die Genussfahrer*innen oder Energieriegel für die ambitionierten Beine würde hervorragend ins Konzept passen. Nachhaltiger Tourismus lebt nicht nur von schönen Landschaften, sondern auch von guten Ideen am Wegesrand.

Und dennoch bleibt nach diesem ersten Slow Sunday eine politische Aufgabe. Das Verkehrskonzept verdient nach den ersten Erfahrungen eine ehrliche Auslegeordnung. Dass talwärts fahrende Autos vom Fahrverbot ausgenommen sind, schmälert den Charakter des Anlasses nämlich deutlich. Gerade darin liegt aber auch die Chance: Der Regierungsrat kann den Slow Sunday mit einer Anpassung der Vollzugsverordnung weiterentwickeln und den Verkehr konsequenter regeln. Es braucht keine Millioneninvestitionen – sondern lediglich den Mut, eine gute Idee noch etwas besser zu machen.

Mein Fazit fällt deshalb klar aus: Der Slow Sunday war kein autofreier Traum, aber ein spürbar entspannter Tag. Einer, der gezeigt hat, wie wenig es manchmal braucht, damit sich öffentlicher Raum wieder wie intakter, entschleunigter und natürlicher Lebensraum anfühlt. Und wer unterwegs Zeit findet, mit seinen Kindern Erdbeeren zu pflücken, weiss: Das ist ein Gewinn, den keine zusätzliche Fahrspur jemals bieten kann.

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