Kolumne «Südostschweiz», 14. August 2026, von Marlis Murer, Vorstandsmitglieder der GRÜNEN Kanton Glarus

Seit Beginn der Hitzewelle im Juni überlege ich mir regelmässig: Soll ich etwas kochen oder mich doch lieber wieder mit kalter Küche ernähren? Tomaten-Gurken-Salat, Linsensalat, Käsebrot… Der Grund: Ich will meine Wohnung nicht weiter aufheizen – die Sonne macht es ja schon ausgiebig und ohne Ende.

Zum Glück muss ich nicht mehr nach Zürich zur Arbeit fahren. Noch vor einem Jahr, abends nach dem Verlassen der Arbeitsstelle: Diese Gluthitze, die einem wie eine Wand entgegenschlägt und fast den Atem nimmt. Ich bin wohl eine typische Klimaseniorin – zwar eine der jüngeren und doch: Gehe ich nach elf Uhr morgens nach draussen, zu Fuss oder per Velo, leidet mein Kreislauf. Ich bekomme Schwindel, Kopfweh und habe kaum mehr Energie. So schnell wie möglich muss ich wieder ins Kühle, in den Schatten. Und das, obwohl ich grundsätzlich fit und gesund bin. Wie mag es erst noch älteren und gesundheitlich angeschlagenen Personen ergehen? Es zeichnet sich schon jetzt eine deutliche Übersterblichkeit als Folge der Hitze ab.

Uns Glarner:innen geht es noch etwas besser als den Städtern. Ab und zu ein Gewitter und statt endlos aufgeheiztem Beton und Asphalt umgeben uns Wälder und Wiesen. Und trotzdem: In der Landwirtschaft ist die Lage prekär. Es fehlt an Wasser auf den Alpen. Erfolgt ein frühzeitiger Alpabzug, muss das Heu verfüttert werden, das für den Winter geplant war. Vertreter des Bauernverbands und der verantwortlichen Bundesrat fordern finanzielle Unterstützung, Helikopterflüge zur Wasserversorgung der Alpen und gesetzliche Änderungen, z.B., dass die Kühe nachts auf die Weide dürfen. Aus meiner Sicht sind dies keine Massnahmen gegen den Klimawandel, sondern reine Symptombekämpfung. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass alle kommenden Sommer wie der jetzige sein werden – wir wissen es längst: Alle Modelle der Klimaforschung zeigen eine klare Tendenz zu immer heisseren und trockeneren Sommern. Lange hiess es vom Bundesrat, wir seien auf Kurs für das Erreichen der Klimaziele 2030, es brauche keine neuen Gesetze. Unterdessen ist klar, dass dem nicht so ist. Oft höre ich, dass die kleine Schweiz den Klimawandel nicht aufhalten könne. Zuerst müssten die USA, China und Indien aktiver werden. Schauen wir allerdings den CO2-Emissionsausstoss pro Kopf an, bei dem auch die Produktion der von uns verbrauchten Güter einberechnet wird, sieht die Lage ganz anders aus. Die Schweiz liegt (mit 12.4 t) nur leicht hinter den USA (15.5 t) und weit höher als China (7.05 t) und Indien (1.36 t). Die Einheiten sind CO2-eq-Emmissionen in Tonnen pro Kopf und Jahr. (Quelle: carbon-connect.ch).

Jeder einzelne von uns kann einen Beitrag leisten: Einerseits im Anpassen des persönlichen Lebensstils und andererseits, sich politisch für griffige Klimamassnahmen einzusetzen.
Marlis Murer, Vorstandsmitglied Grüne Kanton Glarus

Was ist zu tun? Jeder einzelne von uns kann einen Beitrag leisten: Einerseits im Anpassen des persönlichen Lebensstils und andererseits, sich politisch für griffige Klimamassnahmen einzusetzen. Schauen wir z.B. auf den Verein KlimaGlarus, der mit Unterstützung von WWF Schweiz das Ziel verfolgt, Glarus zum ersten klimaneutralen Kanton der Schweiz zu machen.
Und was ist Ihr Beitrag? Übrigens: Heute esse ich wieder kalt, vegetarisch und CO2-arm.

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