Hitzesommer 2026 vorbei – Klimawandel vorbei?
Kolumne «Südostschweiz», 25. September 2026, von Hansruedi Kubli, Co-Präsident der Grünen Glarus Nord
Der Herbst zieht ein, die Temperaturen sinken, und in der Glarner Verwaltung atmet man erleichtert auf. Der Rekordsommer 2026 ist Geschichte. Doch wer jetzt glaubt, wir könnten zur Tagesordnung übergehen, täuscht sich. Der Landrat und die Verwaltung müssen sich den Fakten stellen, sobald alle Schäden bekannt sind. Dieser Sommer hat unmissverständlich gezeigt: Der Klimawandel macht vor unseren Tälern nicht halt.
Unser Kanton kommt nicht darum herum, die Folgen dieses Sommers systematisch zu erfassen und zu bewerten, um langfristige Massnahmen zu realisieren. Reine Pflästerchenpolitik bringt uns wenig oder begrenzt sich auf das kurzfristig Machbare – auch wenn man diese Schritte prüfen muss.
Wie gross sind die Schäden bei unserer traditionellen Alpwirtschaft, dem Herzstück unserer Kulturlandschaft und Biodiversität? Im hinteren Klöntal und anderen Karstgebieten ging den Bauern das Wasser aus. Kälber, Rinder und Kühe wurden früher geschlachtet, weil Futter fehlte. Im Unterland leiden Graswirtschaft, Kartoffelanbau und Maisproduktion unter geschätzten 20 bis 30 Prozent Ernteausfall. Langfristig ein existenzielles Problem für die Versorgung.
Ein Blick an die Hänge von Wiggis und Rauti oder rüber zum Federispitz zeigt das nächste Drama: Unsere Buchen im überlebenswichtigen Schutzwald sterben an trockenen, exponierten Standorten vielerorts ab.
Und in den überhitzten Gewässern des Mittellandes kam es zu einem Massensterben; laut Fischereiverband sind Millionen Forellen, Äschen, Krebse und Wasserinsekten verendet. Wie gross sind die Schäden im Kanton Glarus? Besonders in kleineren und stark von der Wasserkraft genutzten Bergbächen oder in Glarus Nord kam es zu lokalen Tragödien.
Am schlimmsten traf es die Schwächsten. Wer im Sommer die Todesanzeigen gelesen hat, dem fiel die traurige Häufung auf. Wie hoch war die Übersterblichkeit bei älteren Menschen im Kanton wirklich? Wir schulden ihnen Antworten und Taten. Kurzfristig müssen etwa Klimaanlagen für Senioren finanzierbar sein, damit unsere Eltern oder Grosseltern ihren Ruhestand in Würde geniessen können.
Die kommenden Jahrzehnte werden ungemütlich, das „Wasserschloss Schweiz“ wird trockener. Und was tun wir? Wir diskutieren ernsthaft darüber, die allerletzten unberührten Bergbäche – wie den Meerenbach in Mühlehorn oder den Bischofbach in Elm – für die Stromproduktion zu opfern. Dabei produziert der Kanton Glarus, nimmt man Linth-Limmern dazu, bereits 4,5-mal so viel Strom aus Wasserkraft, wie wir selbst verbrauchen. Es ist völlig unverhältnismässig, für ein paar Kilowattstunden unsere Natur trockenzulegen. Eine Kuh braucht täglich bis zu 300 Liter Wasser. Woher soll das kommen, wenn die letzten Bäche in Rohren verschwinden?
Den Klimawandel zu verdrängen, nützt nichts. Die Wissenschaft zeigt die Fieberkurve seit Jahren auf. Dass der CO2-Ausstoss reduziert werden muss, ist bekannt. Jetzt muss die Glarner Politik endlich handeln, statt den nächsten Hitzesommer einfach auszusitzen.